Immer wieder werden unter Fotografen Bilder von einzelnen Bäumen diskutiert. Ich möchte hier einige Beispiele als Anregung zeigen, wie einzelne Bäume nach meiner Meinung zu fotografieren sind. Als Einzelbaum verstehe ich die Abbildung eines Baumes, der das Bild dominiert. Zwar können auch noch weitere Elemente im Bild vorhanden sein, diese sollten aber dazu dienen, die Wirkung des Hauptmotivs zu verstärken.
Für manche Fotografen mag die folgende Untersuchung zu formal erscheinen. Viele fotografieren sozusagen "aus dem Bauch heraus". Ihre Fotos werden von Ungeübten immer wieder bewundert. Aber doch scheint etwas zu fehlen. Vielleicht möchte sich der Fotograf aber auch nur weiter entwickeln, über das Fotografieren aus einer gefühlten Komposition des Bildes heraus zu dauerhaftem, geplantem Können gelangen. Das gelingt m. E. nur, wenn gewisse formale Regeln beachtet werden, die sich in der bildmäßigen darstellerischen Kunst nach allgemeiner Auffassung bewährt und durchgesetzt haben. Dazu gehört zum Beispiel die durchdachte Anwendung des Goldenen Schnitts und die Aufteilung einer Fotografie in Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
Auch in der Baumfotografie sollte vor der Aufnahme die klassische Dreiteilung der Landschaftsfotografie beachtet werden:

                                Vordergrund
                                Mittelgrund
                                Hintergrund.

15.jpg:



Stört das dürre Geäst links? Was hätte man tun sollen, wenn kein anderer Vordergrund da ist? Gar keinen nehmen, das Gras dafür herhalten lassen? Man sehe sich das Bild ohne das Geäst an:
19.jpg


(Verzeihung bitte wegen der Brutalmethode links.....)
Und missraten:
20.jpg

Möchte man von dieser Dreiteilung abweichen, so sollte ein Grund vorhanden sein. Ein begründetes Abweichen könnte die Bildwirkung verstärken. Fehlt einer der drei Teile, kann das Bild "leer" wirken.

1.jpg


Der gleiche Baum in Farbe (an einem anderen Tag mit einer anderen Kamera):
6.jpg



Hoch oder quer, in der Mitte oder am Rand, ich glaube es ist Geschmackssache. Die gleiche Birke zweimal zur selben Zeit aufgenommen (wenn Sekunden nicht beachtet werden :-)):

2.jpg


Oder hier hoch:
3.jpg

2.jpg und 3.jpg haben zu wenig Vordergrund. Der Schnee reicht nicht, um einen Vordergrund zu bilden. Da reißt auch der Himmel nichts raus.

An den Rand gerückt:
4.jpg

Hier die Dreiteilung: Feld als Vordergrund, Baum als Hauptmotiv und Himmel als Hintergrund. Im Gegensatz zu den Birkenbildern oben empfinde ich den Acker hier als Vordergrund ausreichend.

Nun zwei Hochformate:
7.jpg

Wären die Bilder (7 und 8) quer besser?
8.jpg

Wäre das Bild noch schön, wenn der Baum in der Mitte wäre?

Und wieder am Rand:
9.jpg



 Dreimal der gleiche Baum:
10.jpg


und 13.jpg

zwischen diesen beiden Aufnahmen (10 und 13) liegen nur Minuten.

Und wieder der obige Baum,. aber aus einer anderen Richtung an einem anderen Tag:
11.jpg

Ist der Baum zu eingezwängt, ist zu viel Schwarz im Bild?


Es ist fast nicht zu glauben, aber im folgenden Bild ist kaum an den Farben gedreht worden! Der Schnee hat den stark blauen Himmel reflektiert. Bezüglich Gestaltung bei 12.jpg bin ich der Meinung, dass der Baum zu klein und der Rest zuviel ist:
12.jpg



14.jpg


16.jpg


17.jpg

Fehlt der Vordergrund oder gilt der Baum als solcher?

Wer müde geworden ist kann sich hier ausruhen und Motive suchen:
18.jpg


Ich musste nicht weit reisen um diese Aufnahmen zu machen, sie entstanden meist im Umkreis von wenigen hundert Metern rund um meinen Wohnort. Der Städter hat aber oft nicht mehr Mühe. Als ich noch in der City wohnte, waren schöne Baumaufnahmen auch in den nahe liegenden Parks möglich.

Zurück